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Castor-Transporte

Der Transport von abgebrannten Brennelementen, sowie hoch radioaktivem Abfall (der zum Schutze der Umwelt und Bevölkerung zusätzlich verglast ist) erfolgt zumeist in Castor-Behältern, da diese bisher der sicherste Schutz für den hoch radioaktiven Abfall seien sollen. Der Name Castor stammt ursprünglich aus dem Englischen und heißt: “Cask for storage and transport of radioactive material“ (Behälter zur Lagerung und Transport radioaktiven Materials). Meist werden diese Castoren per Zug transportiert. Wenn das Ziel der Castoren weiter weg liegt, wird der Castor auch per Flugzeug oder Schiff transportiert.

Auch wenn es viele verschiedene technische Ausführungen von Castorbehältern gibt, sind alle nach dem selben Grundkonzept aufgebaut:
Die Behälter sind 5-6 Meter hoch, haben einen Durchmesser von 2,5 Meter und wiegen beladen 120 Tonnen. Die Außenwand ist etwa 450 Millimeter stark und besteht aus Grauguß, einem speziellem Gußeisen. Grauguß zeichnet sich durch besonders hohe Festigkeit und Zähigkeit aus. In der Wandung des Gußkörpers sowie im Boden- und Deckelbereich sind Stäbe aus Spezialkunststoff eingelagert, die zur Neutronenabschirmung dienen. Das zu transportierende hochgiftige Material wird in einem besonderen Gestell aus Borstahl in den Behälter hineingestellt. Der Behälter wird mit einem Mehrfachdeckelsysthem geschlossen. Der Behälter besteht aus einem etwa 340 Millimeter starken Primärdeckel sowie einen 130 Millimeter starken Sekundärdeckel aus Edelstahl. Die beiden übereinander liegenden Deckel werden mit dem Behälterkörper fest verschraubt, wobei eine zusätzliche Stahlplatte des Deckelsystem vor mechanischen Einwirkungen und Feuchtigkeit geschützt. Kopf- und Fußende des Behälters sind mit Tragevorrichtungen versehen.

Die Behälter müssen auf Grund der Zwischenlagerung auch für eine Langzeitlagerung geeignet sein.

Für die technische Sicherheit der Castortransporte wurden verschiedene Tests durchgeführt. Zu diesen zählen beispielsweise:
  • Fall des Behälters aus neun Meter Höhe auf ein praktisch unnachgiebiges Fundament (Betonsockel von 1000 Tonnen, abgedeckt mit einer 35 Tonnen schweren Stahlplatte). Diese Fallversuche wurden teilweise mit auf -40°C gekühlten Behältern durchgeführt. Bei diesen niedrigen Temperaturen ist das Behältermaterial weniger widerstandsfähig.
  • Feuertests bei einer Temperatur von mehr als 800°C über die Dauer von einer halben Stunde.
  • Beschuß des Behälters mit einem Flugkörper von etwa einer Tonne Gewicht mit nahezu Schallgeschwindigkeit. Mit diesem Aufprall soll der Aufprall eines Flugzeuges simuliert werden.

In Deutschland sind im Zeitraum von 1973 bis 1995 rund 1600 Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus Kernkraftwerken befördert worden. In Frankreich werden jährlich rund 250 Behälter und in Großbritannien über 700 Behälter mit abgebrannten Brennelementen zu den Wiederaufbereitungsanlagen transportiert.

Allerdings laufen diese Transporte in Deutschland selten störungsfrei ab. Die Bilder der letzten bekannten Castor-Transporte gleichen sich. Besorgte Umweltschützer blockieren die Straßen und Eisenbahnschienen. Die Gegner der Castor-Transporte befürchten einerseits ein Entweichen von Radioaktivität und andererseits einen schweren unvorhergesehenen Unfall, der die Behälter so beschädigt, daß große Strahlungsmengen in die Umwelt gelangen könnten.
Der Schutz der Transporte durch Sicherheitskräfte (Polizei-, Grenzschutz und Bundeswehr) ist für den Steuerzahler sehr kostspielig geworden. Für den bisher größten Castor-Transport am 20. März 1998 von den Atomkraftwerken Neckarwestheim und Grundremmingen nach Ahaus wurden 30000 Sicherheitskräfte benötigt. Der Transport kostete geschätzt 100 Millionen DM.

  
Tschernobyl, 26. April 1986. Die ökologische Herausforderung. (Taschenbuch)
von Franz-Josef Brüggemeier
Siehe auch:
Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft
von Swetlana Alexijewitsch
Hiroshima, 6. August 1945. Die nukleare Bedrohung.
von Detlef Bald
Moskau, 11. März 1985. Die Auflösung des sowjetischen Imperiums.
von Maria Huber
Port Harcourt, 10. November 1995. Aufbruch und Elend in der Dritten Welt.
von Walther L. Bernecker
 
    
     
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